Demokratie, Respekt und Gewaltprävention

 Jugendratswahl 2019 an der JBG

 

SV-Verbindungslehrer Ruben Hoffmann und Axel Bring, die Schulsprecherin Katrin-Marie Küsters und der Schulsprecher Ali Kovaci machten ordentlich Werbund und viele Schülerinnen und Schüler der JBG folgten den Hinweissschildern zum Wahlraum, um ihre Stimmen abzugeben.

 


 Demokratie, Respekt und Gewaltprävention

 

An der JBG gibt es unterschiedlichste Elemente, die im Schulprogramm verankert sind und das Thema Partizipation und Wertevermittlung betreffen.

 

Dazu gehören die Mitwirkungsorgane (Klassenrat, Klassenpflegschaft, Klassensprecher, SV, Schulkonferenz) der Schule und Mitwirkung in Fachkonferenzen, Pflegschaften wie Schulkonferenz und Arbeitskreisen. Neben Mitwirkungsmöglichkeiten bei Aktionen finden sich inhaltliche Bezüge in den Lehrplänen vieler Fächer.

 


Anne Frank Tag 2019 an der JBG

 

Der 12. Juni ist Anne Frank Tag. Rund 250 Schulen in ganz Deutschland

(darunter auch unsere Schule) nahmen am diesjährigen Aktionstag gegen

Antisemitismus und Rassismus teil. Motto war in diesem Jahr »Anne Frank

90«. Denn vor 90 Jahren kam Anne Frank am 12. Juni 1929 zur Welt.

Auch die Schülerinnen und Schüler des Geschichte Leistungskurses der Q1

mit ihrem Lehrer Herrn Leissa engagierten sich aktiv für eine

demokratische Gesellschaft und setzten sich mit Nationalsozialismus,

Holocaust und Antisemitismus auseinander.

 

Als teilnehmende und angemeldete Schule erhielten wir neben vielfältigem Informationsmaterial auch eine (kostenfreie) Plakatausstellung, die den Mitgliedern der Schulgemeinde fachkundig erläutert wurde. Das Foto zeigt einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses. Im Hintergrund Herr Leissa, vorne rechts die stolze Schulleiterin Regine Brochhagen-Klein


Ahmad Mansour an der Joseph-Beuys-Gesamtschule (JBG)

 

Es ist der 23.Januar 2019. In der Aula der Joseph-Beuys-Gesamtschule sind ca. 180 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe mit ihren Lehrerkräften versammelt und warten auf Ahmad Mansour, der mit ihnen ins Gespräch kommen möchte. Unter Personenschutz betritt Ahmad Mansour die Aula.

 

Als gläubiger Moslem stellt er sofort zu Beginn klar: „Ich bin nicht mit der Wahrheit gekommen.“ „Jeder kann glauben, was er will, solange es sich nicht gegen die Menschenrechte richtet.“

Mansour hat eine Vision: „Wir sollten eine Gesellschaft schaffen, wo es egal ist, wer man ist und was man glaubt. - In dem Moment, wo wir beginnen zu stempeln, wird Religion zur Ideologie.“Damit sind alle Religionen gemeint.

 

Wer ist dieser Ahmad Mansour, dessen Berichte und Ausführungen die Schülerinnen und Schüler vormittags und am Nachmittag das ganze Kollegium der JBG zum Nachdenken, Nachfragen und zur Diskussion anregen.

Geboren als Palästinenser in Israel erlebte er Mobbingsituationen in der Schule, wurde durch einen Imam angesprochen und fand seine „neue Familie“ in der Moschee. „Irgendwann wurde aus den Koranstunden Hassunterricht - der Anfang einer radikalen Karriere“, berichtet Mansour anschaulich aus seiner Jugendzeit.

Die Erfahrung, als einziger Araber unter Israelis an der psychologischen Fakultät in Tel Aviv zu studieren, bringt sein bisheriges Weltbild ins Wanken. Er erfährt Unterstützung durch die Israelis, seine Kommilitonen. Kritisches Denken wurde an der Uni geschult, eine eigene Meinung war gefragt – „Das war der Ausstieg aus der Hassideologie.“

Aufgrund eines selbst miterlebten Attentates Ende 2003 verlässt Mansour Israel und kommt nach Berlin – Neukölln. Die ersten Jahre sind hart und kompliziert und viele Vorurteile den Deutschen gegenüber sieht er bestätigt. Erst der Umzug in ein Studierendenwohnheim und das „Sommermärchen“ 2006 verändert sein Leben und seine Einstellung.

Wieder sind es die Kontakte und die Begegnungen zu Menschen, die dies bewirken. „Begegnungen sind wichtig und können präventiv helfen.“

 

In dieser Zeit beginnt er seine Arbeit mit muslimischen Jugendlichen, das Projekt HeRoes wird ins Leben gerufen. Mansour will dazu beitragen, die weiter fortschreitende Radikalisierung Jugendlicher zu stoppen. Mehr als 1000 Jugendliche sind bereits als IS-Kämpfer nach Syrien gereist.

Zur Anwerbung der Jugendlichen werden Elemente der Jugendkultur genutzt, attraktive Internetauftritte, Musik und vor allem Bindungs- und Beziehungsarbeit werden eingesetzt.

Mansour spricht von einem Zeitfenster von zwei Jahren, in dem sich Jugendliche radikalisieren, in dem sie radikalisiert werden. „Die Radikalen sind die besseren Sozialarbeiter geworden.“ Sie geben einfache Antworten auf die Fragen in der Identitätskrise. „Du gehörst zu einer Elite.“, ist die Antwort der Salafisten. Doch die Welt ist viel komplexer.

Mansours Sicht ist eindeutig:

„Die beste Medizin gegen Radikalisierung ist mündig zu werden. - Wer selber denkt, wird nicht radikal.“

Und: „Wir müssen wieder die besseren Sozialarbeiter werden.“

 

Eindringlich wendet sich Mansour an die Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und Großeltern Unterdrückung und Diskriminierung erlebt haben. „Ich bitte euch, lasst den Hass bei euren Eltern und Großeltern. Schafft hier eine gemeinsame Heimat.“

Die Schule ist für Mansour ein Gegenmodell, hier können Schülerinnen und Schüler erkennen, dass es Alternativen gibt.

 

„Wir brauchen Vorbilder um zu zeigen, dass es auch anders geht.“

Dass dieser Mann nicht mehr ohne Polizeischutz unterwegs sein kann, und dies nicht nur bei solchen Veranstaltungen, macht deutlich, dass wir uns für die Demokratie dieses Landes, Mansour nennt sie „einen Schatz“, einsetzen müssen.

Wir dürfen das Feld nicht denjenigen überlassen, die sich gegen das Grundgesetz und die Menschenrechte wenden.